Mika
#31
Geister?

Seit einigen Nächten vernahm Mika ein furchteinflößendes Knarren und Knirschen im Haus, zeitweilig ein Stöhnen, wie sie es von dem alten Gebälk in Hohenmarschen kannte. Holz, welches sich ausdehnt und wieder zusammenzieht, alles logische Erklärungen, wie Mika sich einzureden versuchte.
Diesen Strohhalm jedoch, hatte gestern Abend die Wirtin der Taverne zum dunklen Grafen, brechen lassen. Elda war nämlich der Überzeugung, dass auch Druiden Fehler machen, dass ein Schutz unvollkommen sein kann und es sich bei den allnächtlichen Geräuschen auch um Geister handeln könnte.
Mika war seit gestern Bürgerin Löwensteins und war in der Taverne zum Aufwärmen eingekehrt, um die Bürgerschaft, die neue Sicherheit zu feiern. Es war noch ein wenig Zeit, Margarete gab auf Yuni acht, doch würde ihr Kind vor Mitternacht hungrig werden und ihre Anwesenheit war somit unverzichtbar. Der zunehmende Druck in ihren Brüsten war wie ein innerer Kompass, das Zeitmaß um heimzukehren.
Mika genoß die friedlichen Unterhaltungen im „Dunklen Grafen“. Elda schien eine mit allen Wassern gewaschene Frau zu sein, aber freundlich. Die Blondine, neben ihr, Lenna, schien ähnlich viel erlebt zu haben, die Art mit der sie sprach zeugte von wenig Angst was den Umgang mit anderen Menschen betraf. Dann saß da ein frisch zugereister Galatier, Breac oder ähnlich und jemand der sich Chronax nannte, ein Kerl mit stechendem Blick und einem recht eigentümlichen Wanderstab. Später gesellte sich Justan dazu, der Jäger vom Freiherren von Zweitürmen. Mika kannte ihn nicht näher, allerdings schien auch er kein unbeschriebenes Blatt zu sein.
Das große Kaminfeuer im Gasthaus brannte hoch und warm, es kostete Mika einige Überwindung sich von der heimeligen Gesellschaft zu lösen, machte sich jedoch von der Pilzsuppe gestärkt auf den Heimweg in den Südwald.

Der Hof am kleinen Bach lag friedlich im Dunkeln, die Pferde schnaubten und dösten, es lag Frieden über diesem Ort. Mika verdrängte den Gedanken an Geister und Dämonen und begab sich ins Innere just um der aufgeregt heran eilenden Margarete in die Arme zu laufen. „Um der Götter Willen! Ist was mit Yuni? So sprich! „ Margarete schüttelt den Kopf:“ Dem Kind gehts gut, nur muß ich sagen werte Mika, hier im Haus tut sich was! Vorhin schien es, als würde jemand übers Dach klettern, ich bin hinaus, habe mit der Laterne geleuchtet und gerufen! Doch war nichts zu sehen! Mir war Angst und Bange! Ich mußte an Geister denken, bitte schimpft nicht mit mir, aber es war unheimlich!“
Mika versuchte ihre eigenen angstvollen Gedanken zu verbergen, führte die Ältere an den Tisch und schenkte ihr ein Tässchen vom heißen Tee ein. Doch Margareta saß zusammengekauert da und umklammerte die Tasse. „Was, wenn es der Geist Eures Gatten ist, was wenn…?“ stammelte die Magd.
Mika runzelte die Stirn, fühlte wie ihr Herz bis zum Halse hinauf schlug und strich sich mit kalten Händen durch das Haar. „So rede doch keinen Unsinn, dieses Haus wurde gesegnet, das hält jeden Geist fern. Außerdem …. ER ist nicht tot!!“ Mika rannte treppauf, ließ die Magd allein und stellte sich an die Wiege ihres Kindes. „Und wenn er es ist, soll er nicht feige übers Dach kriechen, sondern sich zeigen.“ flüsternd sprach sie zum schlafenden Säugling, und blieb noch lange so stehen, vorerst von weiteren Geräuschen verschont.

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#32
Nichts wie weg!


Mika war nicht leicht reinzulegen, doch als sie lamentierend und besorgt Ley von den Geister auf ihrem Hofe erzählte, kam der ins Grübeln und wunderte sich, ob es nicht gar sein Verschulden war, da er sich abends doch recht gern an Larijas Portwein und Trüffelschnaps verging und allmorgendlich wie gerädert aufwachte. „ Was wenn Ley dein Gespenst ist, hm? „wandte der sich am Feuer wärmende Alchimist Chronax ein. Mika starrte Ley an. „ Wie? Was?“ Ley aber kicherte nur in seine Fäuste, kassierte von Mika böse Blicke wie auch Drohungen, dass, sowie sie ihn auf ihrem Dach erwischen würde, ob Tag oder Nacht, ihre Pfeile den gezielten Weg in seinen Meisterhintern finden würden. Sie solle besser die Dachrinne einbuttern, riefen sie ihr hinterher während sie wütend den Jägerhof verließ.


„Nichts als Irrsinn im Kopf diese Kerle“, fluchte sie und überlegte tatsächlich, ob es nicht wirklich Ley in seinem Brausebrandt gewesen sein könnte.
Die Nacht legte sich über den Hof, ein einsames Käuzchen schrie als es ganz still und leise wieder begann: vorerst nur ein leises Rascheln vor dem Fenster, Mika schlich zur Wiege und hob den Säugling heraus, die Kleine zu sich ins Bett holend. Dann hörte man ein grobes Schraben, wie altes, rostiges Eisen und ein kaum wahrnehmbares Ächzen. Die junge Frau entzündete mit zittrigen Fingern alle Kerzen im Schlafgemach, doch zu sehen war nichts! Ihr Kind schien all das nicht zu stören und schlief den Schlaf der Gerechten, Mika aber nahm den Bogen und warf sich den Köcher über die Schulter und schritt barfuß hinab, bereit zu schießen sowie sie mußte. Doch auch im unteren Stockwerk schien alles ruhig zu sein, lediglich flackerte ein Rest des Herdfeuers. Plötzlich ein Kratzen am Küchenfenster, Scharren und Ächzen wie schon zuvor. „Ley, du verdammter Idiot,“ fluchte sie. Riß die Haustüre auf um den Narren seiner verdienten Strafe zuzuführen, rannte mit eingelegtem Pfeil um die Ecke und starrte ins Dunkel- da war kein Ley, auch niemand anderes, lediglich umgab sie eine Grabeskälte, so dass ihr nahezu das Herz für einen kurzen Moment stehen zu bleiben drohte. Wieder ertönte ein Scharren, Ächzen und Wimmern, dann war alles ruhig und Mika löste sich aus ihrer Erstarrung und flüchtete ins Hausinnere und verriegelte die Türe und schob noch den Tisch davor. „Bei den Göttern, was war das, „murmelte sie leise, ihr Kind zudeckend. „Der Entschluß steht fest, Morgen siedeln wir um, dorthin wo es Wachen gibt.“

Der nächste Morgen war arbeitsreich, der gesamte Hausrat wurde auf Fuhrwerke verfrachtet, die Pferde auf andere Koppeln umgesiedelt. Der Hof am kleinen Bach wurde verlassen und wie es schien, taten es ihnen selbst die Mäuse und Vögel gleich.
Etwas Dunkles ging hier um!

[Bild: 4093794.jpg]

Mika bezog ein recht nettes und passendes kleines Eckhaus in der Bogengasse und legte sich nach getaner Arbeit erschöpft nieder. „Was wenn es hier wieder spukt, was dann?“ und sie schlief ein und durch bis zum grauen Morgen, bis ihr Töchterlein sie weckte.

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#33
Löwenstein

Die Nächte in der Bogengasse waren friedlich, kein Knarren und Schaben, keine Spukerscheinungen. Yuni schien sich vom ersten Augenblick an wohl zu fühlen und Margarete, die mittlerweile zum Hausstand gehörte und ihr mit dem Säugling und dem Haushalt rührend unter die Arme griff, gefiel es ebenso recht gut. Es war die Gegend ihrer Kindheit und hellte ihr Gemüt deutlich auf.

Nachdenklich machte Mika jedoch ein Gespräch im Gasthof zum Dunklen Grafen, welchen sie in der Hoffnung auf ein heisses Pilzsüppchen aufgesucht hatte. Es kam dort zu einem Gespräch zwischen ihr, Justan und der rotbekutteten Gnaden Hannah Teran. Dummerweise erwähnte Mika den Schrecken der ihr auf dem Südwaldhof begegnet war, erzählte von der Eiseskälte, von den Geräuschen. Plötzlich wurde der Spieß umgedreht und Mika wurde als Verfluchte dargestellt, ein gesunder Geist würde wohl kaum in Kontakt zur Anderswelt treten können. Nicht der Ort lag nun im Fokus, sondern die junge Dunkelhaarige und ihr wurde von düsteren Kellern unter der Kirche berichtet, von Streckbänken in die man Verrückte steckte und verschiedenen Wegen Flüche zu brechen. Mika versuchte ihren Schrecken zu bändigen, dennoch wurden ihre Hände kalt und klamm vor Angst. Sie fühlte sich, als wäre sie in die Höhle des Löwen geraten, umzingelt von rotkuttigen Mithrasi. Ein: „Das ist ja mal wieder typisch!“ entrann ihrer Kehle, mehr gebrochen als mutig und ihre beiden Gesprächspartner nahmen sofort alles Gesagte zurück. Zu ihrem Glück betrat kurz darauf die rote Marie den Gasthof und beruhigte Mika. Doch schien der Abend und seine Überraschungen nicht zu enden. Der jungen Mutter wurde etwas anvertraut, was schwerer wog als alles, was sie bisher mitgetragen hatte, andererseits klärte sich alles, was bislang nur vermutet wurde mit einem Schlag auf.

Auch rief Marie in ihr zudem die Erinnerungen aus der ravinsthaler Zeit wach, die Stunden, in denen sie Marie durch die Wildnis gefolgt war und ihr jedes Kräutlein erklärt und beschrieben wurde. Marie hatte ihre einfachen Schiffsheilkünste, wenn man jene als sowas bezeichnen kann, aufgefrischt und in tiefere Abgründe geführt, sie erwarb Kenntnisse über die verschiedensten Krankheiten und wie jene zu behandeln sind.

Mika fand beim Einräumen sogar ihre Kräuter und Heilerkiste und strich sanft über die einzelnen Fläschchen. Vielleicht sollte sie die Heilkunst intensivieren, vielleicht sogar studieren? Würde Margarete das mitmachen?

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