Arx Obscura

Normale Version: Walburgas Geistesblitze
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Schlagartig fiel ihr wieder ein, wo sie ihren Schlüssel hatte. In der Schürzentasche! Da war er die ganze Zeit gewesen.
Was sie jedoch vergaß - dass sie ihren Schlüssel gar nicht gesucht und auch das Haus gar nicht verlassen hatte!

Dann dachte sie daran, Holz fällen zu gehen, legte sich aber stattdessen wieder schlafen.

Einen Brief an Herr Desens wollte sie auch noch schreiben. Oder hatte sie das schon erledigt...? Ja. Bestimmt hatte sie das.
Walburga sah in den ruhigen Teich, an dem sie saß.
Und der Teich blickte zurück.
Sie sieht aus wie meine Mutter. Sie sieht aus... wie ich.
Der Wind flüsterte in den Bäumen.
Und Walburga flüsterte zurück.
"Wir bewegen uns gemeinsam. Wie Feuer, so wild und frei. Wir singen von Sorgen, von Rache, von Grimm. Wir gießen gemeinsam unsere Stille aus."
Die Götter hatten sie mit einer Gabe gesegnet.
Doch alles, was Walburga den Göttern je zurück gegeben hatte, war Asche.
Ich muss leben, solange es noch vorübergeht. Unsere Tränen sind wie Steine, die man ins Wasser wirft. Man sieht sie nicht.
Sie hielt die Vergangenheit fest.
Doch die Vergangenheit ließ Walburga los.
"Halte dich an deinen Knochen fest. Sie sind alles, was du mitnehmen musst.
Dann muss weniger vergraben werden, denn je mehr du sammelst, desto mehr musst du tragen..."


Dann war der klare Moment auch schon wieder vorbei. Oder war das ein wirrer Moment? Sie erhob sich und dachte an Kaffeekränzchen. Sie sollte mal wieder eines besuchen.
Sie sollte einen Laden eröffnen, in dem sie Kräuter und andere Feld- und Wiesenerzeugnisse gegen Werkzeug, Kleidung und Schillinge tauschte. Auch brauchte sie mal jemanden, der ihr die Haare schnitt. Wie sieht sie denn aus? Nein, sowas.
Außerdem hätte sie gerne eine Schafherde. Ach, was Walburga nicht alles gerne hätte. Eine Burg? Ja, warum nicht. Auch wenn es in Burgen oft kalt war. Weidenrinde. Weidenrinde ist kein ganzer Satz! ... aber die könnte sie auch zum Tausch anbieten, immerhin kannte sie sich auch mit Holz. Es gibt ja auch Burgen aus Holz. Mit schönen Gardinen.
Sie brauchte Werkzeug, damit sie Sachen verkaufen konnte und sie brauchte Geld, um sich Werkzeug zu kaufen, also musste sie Sachen verkaufen.
Tatsächlich reicht es nicht, sich bei Bienen zu bedanken, wenn man ihnen Honig nimmt. Falls man Honig überhaupt nehmen kann, ohne den Bau zu zerstören. Walburga wusste, wie das geht, aber viel kam dabei gar nicht heraus. Ist es eigentlich in Ordnung, Bienen den Honig zu stehlen? Hinzu kam noch, dass Walburga Kräuter sammelte und Bienen brauchten Kräuter, um Honig zu machen. Darüber musste sie noch - oh, ein Blatt!
Walburga wusste, dass Tara es wusste. Darum musste man da gar nicht lange reden. Der Glaube an die 21 war stark in der jungen Frau. So war es klar, dass Walburga eine Haarsträhne von Tara brauchte, die in Kürbissuppe eingelegt werden musste.
Die Götter sind ständig da. Alles passiert gleichzeitig. Das, was den Menschen Tara ausmacht, woraus er besteht, ist zugleich Teil von anderen Dingen und Wesen um uns herum. Ja, vielleicht war das, was heute Tara ist, einmal Bestandteil einer Kürbissuppe? So kommt alles zum Ursprung zurück, denn es war nie woanders.
Tara mochte nicht nur etwas über sich selbst erfahren, sie möchte auch einen Hinweis, wie sie glücklich werden könnte. Doch ob Walburga ihr dies sagen konnte? Ob Walburga hören konnte, was die Götter sagten? Ob sie es verstünde?
Fest steht nur.. da ist ein Haar in der Suppe.
Sie kostete die Suppe. Sie war nicht vergoren wie zu erwarten war. Das war ein schlechtes Zeichen. Es bedeutete entweder, dass Walburga zu früh gekostet hatte.......oder dass ein großes Unheil auf Tara zukommen würde...ein Schatten aus der Zeit.
Walburga schüttete die Suppe weg und betrachtete das Haar. Sie musste es dringend loswerden. Es war zum einen nicht gut, wenn ein Unheil auf jemanden zukam. Es war auch nicht gut, es jemandem zu sagen. Walburga dachte unzählige Male, dass, wenn
sie vom Unheil wusste, die Götter wollten, dass sie es auch mitteilte. Aber viele Male wurde Walburga eines Besseren belehrt. Wenn Tara ihre Liebe finden würde, dann würde es nicht lange dauern, bis etwas sehr Schreckliches passieren würde. Das ist eine ziemlich doofe Prophezeiung. Walburga schüttete sie mit der Suppe weg. Ich tu einfach so, als hätte ich es vergessen. Oder ich vergesse es gleich wirklich!
Was ist schon ein Unglück, wenn jeder Moment doch nur ein Fragment in der Zeit ist? Genau! Auch nichts anderes als Suppe.
Manche Dinge passierten, weil sie immer passierten. Und manches ist einfach schlicht... der Wille der Götter.
In dem Fall ist es schlecht, wenn die Götter etwas wollen, das für manche schlecht ist. Die Götter sind manchmal nicht zu verstehen. Nicht nachvollziehbar. Oft, weil unser beschränkter Geist es nicht fassen kann... aber manchmal, da wirken die Götter einfach herzlos. Die Kunst ist, dennoch nicht zu zweifeln. Nicht zu ver-zweifeln. Glücklich sein ist manchmal harte Arbeit.
... oder aber auch nicht.
Walburga musste lachen. Das musste sie immer, wenn sie Easars Präsenz fühlte. Und das tat sie oft. Dann fühlte sie sich federleicht und glücklich. Ob das der Grund sein mag, warum sie Spaß hatte und so lange lebte? Als junge Frau hatte sie sich oft gefragt, ob Götter sich auch manchmal verliebten....